Alcalá de Guadaíra, die Stadt der Bäckereien

Alcalá de Guadaíra befindet sich in der Provinz Sevilla, liegt nur rund 20 Kilometer von der Hauptstadt Andalusiens entfernt, zählt nahezu 78.000 Einwohner (Stand 2026) und verfügt über eine sehr reiche Geschichte und ist vor allem wegen seiner Festung aus der Zeit der Almohaden bekannt. Einzigartig sind auch die befestigten Mühlen am Fluss Guadaíra und die archäologische Zone Gandul. Alcalá de Guadaíra ist auch bekannt für seine lokalen Gebäcke und die zahlreichen Bäckereien, und natürlich für die alte Mehlfabrik Harinera del Guadaíra, die heute ein touristisches Zentrum ist.
 
Dass Alcalá de Guardaíra zur Stadt des Brotes wurde, geht bis zur arabischen Zeit zurück, als hier bereits Getreide angebaut wurde und das Korn in den Mühlen entlang des Flusses gemahlen wurde. Es war daher logisch das Mehl in der Stadt auch zu Brot zu verarbeiten. Über Jahrhunderte hinweg versorgte daher Alcalá de Guardaíra die gesamte Umgebung, insbesondere Sevilla, mit Brot, woran noch heute die Ruta de los Molinos Harineros erinnert bei der der Besucher auch gleichzeitig das Naturschutzgebiet entlang des Flusses entdecken kann.

Alcalá de Guadaíra, die Stadt der Bäckereien
Foto: Herbert Kårlin

Auch wenn die Stadt Alcalá de Guadaíra bereits zur Zeit der griechischen Invasion existierte, so erhielt sie ihren Namen erst während der Zeit der Mauren, die hier eine Festung errichteten und den Namen Al-Qal'at Uued-Xira trug, wie das Kastell am Fluss Ira (castello del río Ira) genannt wurde. Erst im Jahr 2001 wurde Alcalá de Guardaíra offiziell der Name der heutigen Stadt, insbesondere um ihr eine eindeutige Schreibweise zu bieten. Entlang des Flusses Río Giadaíra entstand im Jahr 2011 eines des bedeutendsten Naturschutzgebiete Andalusiens, das einen großen Kontrast zur Industrie der Stadt bietet.
 
Während Orte wie Marbella und Torremolinos als touristische Metropolen Andalusiens bezeichnet werden können, handelt es sich bei Alcalá de Guadaíra mit seinen über 2500 Unternehmen um die Industriehauptstadt Andalusiens.die Arbeiter und Angestellte selbst aus Sevilla anlockt. Entsprechend handelt es sich bei Alcalá de Guadaíra auch um die Stadt der Provinz Sevilla mit dem höchsten Energieverbrauch. Die Stadt verfügt gegenwärtig um neun Industriegebiete und zusätzlich vier Wirtschaftszentren. Dass die Wirtschaft bereits sehr früh der Motor der Stadt Alcalá de Guadaíra war, kann man noch heute an Hand der vielen Mühlen entlang des Flusses Guadaíra feststellen.
 
Der Name der Stadt Alcalá de Guadaíra hat sich im Laufe seiner Existenz mehrmals verändert, denn die Tarteser nannten sie Irippo, was Stadt am reißenden Fluss bedeutet, wobei allerdings auch der Fluss später den Namen Ira erhielt. Die griechischen Eroberer machten aus Irippo dann Hienipa (unterirdisches Wasser), was unter den Römern zu Hinipense wurde. Erst mit der Ankunft der Mauren erhielt die Stadt dann den Namen Al-Qal'at Ued-Xira das nach der katholischen Reconquista zu Alcalá de Guardaíra wurde.
 
Alcalá de Guadaíra nimmt in Andalusien allerdings auch eine besondere Rolle in der Musikszene ein, da hier die Wiege von Joaquín el de la Paula, stand, einer Person der es gelang eine völlig persönliche Richtung des andalusischen Flamenco zu schaffen. Joaquín el de la Paula wurde am 12. Februar 1875 in einer der Höhlen unterhalb der Festung geboren, wo die ärmste Schicht der Stadt ihre Zuflucht fand. In seiner Höhle entstanden die Cantes de Alcalá, wobei der Sänger und Verfasser zahlreicher Lieder nie eine Schallplatte aufnahm, aus Angst davor dass ihn dann niemand mehr in seiner Höhle besuchen würde um ihm zuzuhören. Zu Ehren des Flamencosängers findet noch heute jährlich das Festival Flamenco Joaquín el de la Paula statt.
 
Alcalá de Guadaíra gehört mit zu den am schnellsten wachsenden Städten Andalusiens, da die Mietpreise in Sevilla astronomische Höhen erreicht haben und daher immer mehr Angestellte der andalusischen Hauptstadt in das naheliegende Alcalá ziehen, da diese Stadt nur 21 Kilometer von Sevilla entfernt liegt und gute Verkehrsverbindungen bietet.

Die Geschichte der Stadt Alcalá de Guadaíra
 
Archäologische Funde belegen dass Alcalá de Guadaíra,, beziehungsweise die Stelle an der die heute Stadt liegt, bereits zur Kupferzeit, auch Chalkolithikum genannt, bewohnt war, also gegen 2000 vor Christus. Schon 1000 Jahre später können hier auch befestigte Orte nachgewiesen werden die vor allem Landwirtschaft betrieben. Da es sich in der gesamten Umgebung um befestigte Orte handelte, muss man davon ausgehen dass sich entweder die Orte untereinander bekämpften oder aber andere Feinde diese Region unsicher machten.
 
In der Hochebene Mesa de Gandul, am Rande der Stadt Alcalá de Guadaíra,, lag bis zur Ankunft der Römer im zweiten Jahrhundert vor Christus die tartessische Stadt Irippo, was "Stadt am Fluss" bedeutet, eine Stadt, die mit der Ankunft der Römer vollkommen in das römische Reich integriert wurde und auch die römische Kultur, aber auch das römische Rechtssystem, annahm. Dass Alcalá de Guadaíra, und seine Umgebung so früh besiedelt wurde, liegt insbesondere am Fluss Guadaíra, der in dieser Umgebung ein sehr fruchtbares, bewässertes Land geschaffen hatte.
 
Nach dem Niedergang des Römischen Reiches geriet Alcalá de Guadaíra, für mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit, denn die den Römer folgenden Westgoten passierten das Gebiet lediglich ohne sich jedoch niederzulassen. Aus dieser Zeit existieren lediglich einige Steinplatten und Inschriften, die man heute im Museum der Stadt Alcalá de Guadaíra, finden kann.
Fortsetzung folgt ...
 
Gastronomische Spezialitäten in Alcalá de Guadaíra
 
Die Gerichte in Alcalá de Guadaíra entsprechen weitgehend der Mittelmeerküche Andalusiens und hat die gleichen Zutaten wie die Küche der gesamten Provinz Sevilla. Dies bedeutet natürlich dass man die gazpacho (kalte Gemüsesuppe) ebenso auf den Speisekarten findet wie unterschiedliche sopas de tomates (Tomatensuppen) oder arroz con perdiz (Reis mit Rebhuhn). Dennoch kann man auch in Alcalá de Guadaíra auch Gerichte mit einem typischen Stempel der Stadt finden, denn pucheros (Eintopf, Untergruppe der cocidos), cocidos (Eintopf) und arroz (Reis) werden dort teilweise auf sehr persönliche Weise zubereitet, sowohl was das gewählte Gemüse, als auch die Gewürzmischung betrifft. Auch azeitunas Oliven) nehmen in Alcalá, wie auch in anderen Städten Andalusiens einen besonderen Geschmack an und werden in unterschiedlichster Weise angeboten. Nicht zu vergessen ist auch dass Brot jeder Art hier eine Delikatesse sein kann, denn nicht umsonst spricht man bei Alcalá de Guadaíra von der Stadt des Brotes.
 
Wir arbeiten permanent an diesen Seiten und werden bei Alcalá de Guadaíra die Fortsetzung der Geschichte veröffentlichen, aber auch alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten, die wichtigsten Feste und die lokale Gastronomie hinzufügen, aber auch Ausflugsmöglichkeiten in andere Städte, die jeweils in den gleichen Provinzen liegen.